Kunst, Kultur, Consulting
Wer mich am Wochenende vermisst, sollte am besten mal in der Berliner Staatsoper nachsehen.. Seit meiner Jugend begeistere ich mich für klassische Musik, Theater, Literatur und ganz besonders für die Oper. Studiert habe ich Latein, Altgriechisch, Alte Geschichte und Italienisch. Keine guten Voraussetzungen fürs Management Consulting? Und ob! Schließlich gibt es in einem McKinsey-Büro sogar Momente, in denen man Opernkritiken lesen muss.
Katharina Herrmann
Engagement ManagerKlassische Philologie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (Promotion)
Anlass war ein mehrmonatiges Beratungsprojekt für die Oper Frankfurt. Deren Besucherzahlen lagen damals, trotz eines Programms von internationalem Renommee, im Vergleich zu anderen großen deutschen Häusern nur im Mittelfeld. Auch in puncto Sponsoring hatte die Oper das Potenzial der Wirtschaftsmetropole Frankfurt noch nicht ausgeschöpft. Also machte ich mich gemeinsam mit drei McKinsey-Kollegen – allesamt Opern- und Musikfans – daran, ein neues Marketing- und Sponsoringkonzept für das Opernhaus zu entwickeln. (Übrigens im Rahmen eines Pro-bono-Projektes, also ohne Honorar.)
Wir begannen mit einer umfassenden Bestandsaufnahme, einschließlich Besucherbefragungen. Die Ergebnisse diskutierten wir ausgiebig mit Leitern und Mitarbeitern der Oper. Gemeinsam erarbeiteten wir schließlich ein Wertversprechen: Qualität, Vielfalt, Emotion – dieser Dreiklang macht nach innen und außen deutlich, wofür die Oper steht. Und ist nicht zuletzt ein hilfreiches Instrument, wenn es darum geht, Sponsoren zu gewinnen.
Um dieses Versprechen einzulösen, haben wir eine Reihe von Neuerungen geschaffen. So gibt es jetzt vor den Vorstellungen eine Einführung in Werk und Inszenierung, die das Publikum sehr intensiv nutzt. Im Angebot ist jetzt auch die "Oper für alle" nach dem Vorbild des Kinotags. Und nicht zuletzt wurde die Website der Oper komplett überarbeitet und der alte Monatsspielplan durch ein markantes farbiges Leporello ersetzt. Trommeln gehört eben auch für ein Opernhaus zum Handwerk – und die Einnahmen steigen bei einem unverändert ambitionierten Spielplan.
Maßnahmen zur Lösung eines Problems zu definieren und ihre Umsetzung zu begleiten – das kenne ich auch aus meinen anderen Projekten in der Telekommunikationsindustrie oder der Logistikbranche. Dennoch ist und bleibt die Oper Frankfurt für mich ein Traumprojekt. Schließlich geht es um Wachstum, nicht um Einsparungen. Aber nicht zuletzt konnte ich hier Kultur und Wirtschaft, Kunst und Consulting in Einklang bringen. Das bestätigt mich in meinem Gefühl, bei McKinsey am richtigen Platz zu sein.