Auszeit für den Lebenstraum
Zugegeben: Durch meine Beratungsprojekte, oft bei Auslandstöchtern deutscher Automobilhersteller, komme ich schon ziemlich viel rum in der Welt. Aber mein Fernweh scheint unstillbar. So blieb stets die Sehnsucht, einmal ganz privat – ohne Projektauftrag und Blackberry in der Tasche – monatelang durch Länder und Kontinente zu reisen. Und dann war da noch der Traum von der Rallye Paris-Dakar.
Martin Kern
Associate PrincipalBWL an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Promotion)
McKinsey hat mir beides ermöglicht: durch eine unbezahlte Auszeit mit Rückkehrgarantie. Solche Sabbaticals oder "Leaves" können McKinsey-Consultants alle zwei Jahre für zwei Monate nehmen. Und manchmal eben auch für länger. Ich habe mich nach meiner Beförderung zum Projektleiter und mit genügend Ersparnissen gleich für ein halbes Jahr ausgeklinkt.
Als erstes fuhr ich mit einem Freund nach Marokko, um zum Begleittross der Rallye Paris-Dakar zu stoßen. Dann ging es 6.500 Kilometer quer durch die Sahara. Ich weiß nicht, wie oft wir im Wüstensand steckengeblieben sind. Einmal schafften wir an einem Tag kaum zwanzig Kilometer. Nachts schliefen wir im Zelt unter einem atemberaubenden Sternenhimmel – aber Lichtjahre entfernt von Dusche und deutschem Alltag. Fantastisch! Von dieser Wüsten-Rallye werden wir noch unseren Enkeln erzählen.
Keine zwei Wochen später brach ich zu meiner Weltreise auf. Mein erstes Ziel war Mexiko-Stadt. Von dort brachte mich mein "Round-the-world-ticket" über die Südsee (Samoa) nach Neuseeland und weiter nach Australien. Den Schlusspunkt bildete Asien mit Japan und China, Singapur und Philippinen sowie Vietnam. Auch diese Reise wird mir unvergesslich bleiben: All die Menschen, die ich unterwegs kennen gelernt, die unendlich vielen neuen Eindrücke, die ich gewonnen und die Erfahrungen, die ich gesammelt habe, sind durch nichts aufzuwiegen.
Allerdings beschlich mich irgendwann etwas Sorge: Wie wird es wohl sein, in den Alltag zurückzukehren? Doch wieder in Deutschland blieb gar keine Zeit für Melancholie. Nach so langer Zeit freute ich mich riesig auf meine Freunde, Familie, Kollegen – und sogar auf die Arbeit. Nahtlos konnte ich dort weitermachen, wo ich aufgehört hatte: bei einem Automobilhersteller. Dieses Mal in Shanghai. Genau das Richtige für jemanden mit unstillbarem Fernweh.