Der Auswahltag oder "Warum sollten sie
ausgerechnet mich nehmen?"
Etwas aufgeregt wartete ich an diesem Morgen im Düsseldorfer McKinsey-Büro auf mein erstes Vorstellungsgespräch. Nachdem mir die Mitbewerber schon beim Kennenlernen am Vorabend ihre eindrucksvollen Lebensläufe geschildert hatten, fragte ich mich im Stillen: "Warum sollten sie ausgerechnet mich nehmen?"
Jan Schächtele
Fellow Senior AssociateBetriebswirtschaftslehre an der European Business School Schloß Reichartshausen
Der fast schon legendäre "McKinsey-Marathon", wie der Auswahltag bei McKinsey genannt wird, begann für mich mit einem analytischen Test. "Glück gehabt", dachte ich bei mir, "wenigstens muss ich nicht gleich reden und jemanden von mir überzeugen." Die Aufgaben waren zudem durchaus lösbar und die Zeit war realistisch bemessen. Obwohl oder gerade weil einige Fragen ziemlich knifflig waren, gab mir dieser Einstieg mein Selbstvertrauen zurück.
Einigermaßen gefestigt ging ich also in mein erstes Interview. Die junge Beraterin, die mir gegenübersaß, erzählte erst einmal von ihren Erfahrungen bei McKinsey. Das kam sehr sympathisch rüber und ich konnte mich ein wenig entspannen. Hinzu kam, dass ich bei ihr echtes Interesse an meiner Person und meinem Werdegang spürte.
Dann diskutierten wir über die Planung eines (fiktiven) Start-up-Unternehmens. Dazu wurden Hochrechnungen zur potenziellen Nachfrage angestellt, Kostenschätzungen vorgenommen und überarbeitet – bis die Neugründung schließlich, zumindest auf dem Papier, Gestalt annahm. Das Ganze machte mir weit mehr Spaß als erwartet.
Spätestens beim zweiten Gespräch begriff ich, dass bei diesem "Marathon" niemand bloßgestellt oder vorgeführt werden soll. Vielmehr geht es darum, sich gegenseitig kennen zu lernen und anhand einiger Tests herauszufinden, wie der Bewerber mit Problemstellungen umgeht und ob er damit für die Unternehmensberatung geeignet ist. Bei mir hat's gepasst. Heute bin ich froh, dass ich mich getraut habe, mich zu bewerben, und mich auch von meinen Zweifeln nicht habe bremsen lassen!