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Zukunftsperspektiven für die deutsche Wirtschaft
Wird Deutschland im Jahr 2020 ein Land mit einer modernen Wirtschaft und abgesichertem Wohlstand für breite Bevölkerungsschichten sein oder ein Land, dessen wichtigste Wirtschaftssektoren den internationalen Anschluss verloren haben?
Diese Frage bildet den Ausgangspunkt der Studie "Deutschland 2020. Zukunftsperspektiven für die deutsche Wirtschaft". Auf Basis von Bottom-up-Analysen der Branchen Automobil- und Maschinenbau, Chemie, Hightech, Banken, Versicherungen und Asset Management, Konsumgüter, Gesundheitswesen, Transport und Logistik, Telekommunikation sowie des öffentlichen Sektors hat McKinsey zwei Szenarien für die deutsche Wirtschaft im Jahr 2020 formuliert. Das Fazit: Eine erhebliche Dynamisierung der Wirtschaft ist erforderlich, aber auch möglich. Wenn jetzt die Weichen auf unternehmerische Erneuerung und stärkeres Wachstum gestellt werden, ist eine positive Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft erreichbar.
Aus der täglichen Beratungsarbeit für Klienten in Deutschland und aller Welt weiß McKinsey, welche Faktoren in den verschiedensten Industrien Treiber der Wertschöpfung sind. Das McKinsey Global Institute (MGI) analysiert zudem seit Jahren die weltwirtschaftlichen Trends und Entwicklungen. Vor diesem Hintergrund ist die Studie Deutschland 2020 eine wirtschaftliche Perspektive, keine politische Agenda. Mit der Untersuchung möchte McKinsey einen Beitrag leisten zur Diskussion über die wirtschaftliche und damit letztlich auch gesellschaftliche Zukunft Deutschlands. Die Faktenbasis der Studie schafft eine Grundlage dafür, Klarheit über Unternehmens- und Industrieperspektiven zu erlangen und den notwendigen gesamtwirtschaftlichen Wandel voranzutreiben.
Denn ein Wachstum von 3 Prozent ist nach Analysen von McKinsey möglich aber auch erforderlich, um die gewohnten Lebens- und Sozialstandards zu halten. Nur dann können breite Schichten der Bevölkerung von der wirtschaftlichen Entwicklung profitieren und die finanzielle Sicherung der Sozialsysteme gewährleistet werden. Bei weniger Wachstum hingegen gerät die Mittelschicht weiter unter Druck, da die wirtschaftliche Basis für den Wohlstand breiter Bevölkerungsteile entfällt.
Das deutsche Wachstumsmodell beruhte in den vergangenen Jahren fast ausschließlich auf Produktivitätsgewinnen. Dieses Konzept stößt aufgrund der neuen Erfordernisse an seine Grenzen. Ein Paradigmenwechsel ist daher notwendig, weg von Investitionen in bestehende Strukturen hin zu Wachstum durch Innovation. Darüber hinaus müssen Unternehmen die Chancen aus weltwirtschaftlichen Trends nutzen, damit Deutschland weiterhin ein Globalisierungsgewinner bleibt.
Gleichzeitig sind bessere Rahmenbedingungen notwendig, um die vorhandenen Wachstumspotenziale im Land zu erschließen. Zu den dringlichsten Aufgaben zählen eine Stärkung des Unternehmertums, ein verbesserter Zugang zum Kapitalmarkt, Strukturreformen an den Universitäten, ein Schließen von Qualifikationslücken am Arbeitsmarkt und die Sicherung von Chancengleichheit in der Bildung sowie gezielte Investitionen in die Infrastruktur.
Die Unterschiede durch mehr Wachstum wären für die gesamte Bevölkerung deutlich spürbar: Das mittlere Einkommen würde gegenüber 2006 real um über 40% – von 25.000 EUR pro Kopf auf rund 36.000 EUR im Jahr 2020 steigen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt würde sich entspannen, der Mangel an hoch qualifiziertem Fachpersonal wäre das vordringliche Problem. Insgesamt müssten mehr als 6 Millionen zusätzliche Beschäftigte mobilisiert werden. Dafür müssten ältere Arbeitnehmer länger und Frauen stärker am Erwerbsleben teilnehmen, junge Menschen schneller ihre Ausbildung beenden und Deutschland für in- und ausländische Spitzenkräfte attraktiver werden. Mit 700.000 Menschen ohne Job bleibt im 3-Prozent-Szenario zwar im Bereich der Geringqualifizierten immer noch eine deutliche Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Im dann stark gewachsenen Sektor haushaltsnaher Dienstleistungen und im Einzelhandel können jedoch auch Menschen ohne Berufsausbildung verstärkt Beschäftigung finden.
Wegen der gesunkenen Arbeitslosigkeit ist nach einer erfolgreichen Dynamisierung der Wirtschaft die Finanzierung der Sozialleistungen kein beherrschendes Thema mehr, zumal kapitalgedeckte Eigenvorsorge und Selbstverantwortung an Bedeutung gewinnen und die umlagefinanzierte Sozialversicherung ergänzen.
Auch bei einem solchermaßen stärkeren Wirtschaftswachstum lassen sich ehrgeizige Klimaziele verwirklichen: Deutschland kann die Treibhausgasemissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990 um mehr als 25% senken. Zwar entstehen in einer dynamischeren Wirtschaft durch das gesteigerte Verkehrs- und Transportaufkommen und den wachsenden Energiebedarf der Industrie zusätzliche Emissionen. Gleichzeitig kann es aber gelingen, bei neuen Industrieanlagen ebenso wie bei Gebäuden im privaten und öffentlichen Sektor höchste Effizienzstandards zu etablieren.




