Der von McKinsey entwickelte Electric Vehicle Index untersucht seit 2010 auf Länderebene, wo die für die Elektromobilität 14 wichtigsten Nationen jeweils stehen und wie sich Deutschland dabei positioniert. Die untersuchten Länder sind: China, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Japan, Niederlande, Norwegen, Portugal, Spanien, Südkorea und USA.

Elektromobilität: China vergrößert Vorsprung, Europa stagniert

Ergebnisse des aktuellen Electric Vehicle Index (März 2017) von McKinsey

Ansprechpartner

Martin Hattrup-Silberberg

E-Mail schreiben
0211 136-4516

China drückt bei der Elektromobilität aufs Tempo: Mit 43% Anteil an der Weltproduktion von 870.000 E-Fahrzeugen liegt China deutlich vor Deutschland mit 23% und den USA mit 17%. Die Volksrepublik steigerte 2016 auch den Marktanteil bei wichtigen Komponenten: In der weltweiten Produktion von Batteriezellen kommt China nun auf 25% und bei E-Motoren auf 37% Weltmarktanteil. Auf der Nachfrageseite ist China ebenfalls äußerst dynamisch, liegt allerdings im Index nach wie vor auf Rang 4 hinter Norwegen, den Niederlanden und Schweden. Deutschland rangiert in der Gesamtbetrachtung von Marktgröße und Rahmenbedingungen im hinteren Mittelfeld der 15 untersuchten Länder. Dies sind die zentralen Ergebnisse des aktuellen Electric Vehicle Index (EVI) von McKinsey & Company, in dem die Unternehmensberatung regelmäßig die Entwicklung der E-Mobilität in den wichtigsten Ländern misst.

„Die Zukunft der E-Mobilität entscheidet sich in China“ erläutert Nicolai Müller, Seniorpartner von McKinsey, die Ergebnisse. Seit dem vergangenen Jahr fahren auf chinesischen Straßen mehr als 650.000 E-Fahrzeuge (Plug-In-Hybride und rein batterieelektrische Autos). Müller: „Damit hat China die USA als Land mit der größten E-Auto-Flotte erstmals überholt.“ Auch die Marktdynamik spricht für das asiatische Land: Fast die Hälfte der im Jahr 2016 weltweit 743.000 neu zugelassenen E-Fahrzeuge entfielen auf China (352.000 Einheiten). Der Markt wuchs dort im abgelaufenen Jahr um 69%, während in Europa nur 7% mehr Zulassungen zu verzeichnen waren auf nun 202.000 E-Autos. Die USA kamen auf 159.000 verkaufte E-Autos; ein Plus von 37%. Bei der Technologie zeigen sich regionale Unterschiede: Während in China und den USA rein batterieelektrische Fahrzeuge dominieren, haben über die Hälfte der in Europa verkauften E-Autos einen Plug-In-Hybrid-Antrieb.

„Drei Faktoren erklären die große Dynamik auf dem chinesischen Markt“, so McKinsey-Experte Müller. „Zum einen ist China mit 75 verfügbaren E-Modellen das Land mit der größten Modellvielfalt, zum anderen wirkt eine Kombination aus direkten finanziellen Anreizen und nicht-finanziellen Vorteilen wie beispielsweise eine leichtere Zulassung in den großen Städten als Beschleuniger.“ Und drittens baue das Land die Ladeinfrastruktur massiv aus.

Die Einführung der Kaufprämie für Elektrofahrzeuge in Deutschland hat dagegen noch nicht zu einem signifikanten Anstieg der Verkäufe geführt. Zwar legte der Markt für E-Autos 2016 um 11% zu; das Gesamtniveau bleibt mit rund 27.000 verkauften Fahrzeugen jedoch niedrig. Deutschland bleibe bei der E-Mobilität dennoch am Ball, ist sich Müller sicher: „Gerade auf der Angebotsseite wird sich viel tun. In den kommenden Monaten werden deutsche Hersteller zahlreiche neue Modelle auf den Markt bringen.“ Außerdem werde die Ladeinfrastruktur Stück für Stück verbessert: „Das angekündigte Joint Venture zahlreicher Hersteller zur Ausbau der E-Ladestationen kann hier einen großen Beitrag leisten.“

Methodik

Der von McKinsey entwickelte Electric Vehicle Index untersucht seit 2010 auf Länderebene, wo die für die Elektromobilität 14 wichtigsten Nationen jeweils stehen und wie sich Deutschland dabei positioniert. Die untersuchten Länder sind: China, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Japan, Niederlande, Norwegen, Portugal, Spanien, Südkorea und USA.

Seit Anfang 2015 wird der EVI auf Grundlage einer neuen Methodik berechnet, der aktuelle Entwicklungen in der E-Mobilität aufgreift und abbildet. Der Index untersucht dabei die zwei wichtigen Dimensionen bei der Entwicklung der E-Mobilität, die Markt- und die Industrieseite.

Auf der Marktseite wird zum einen analysiert, wie groß der Marktanteil von E-Fahrzeugen am Gesamtmarkt ist. Zum anderen werden Anreize wie Subventionen, die vorhandene Infrastruktur sowie das verfügbare Angebot von E-Fahrzeugen bewertet.

Der Industrie-EVI untersucht, wie erfolgreich die jeweilige Automobilindustrie des Landes beim Thema E-Mobilität ist. Hierzu werden Faktoren wie der aktuelle und zukünftige Anteil an der weltweiten Produktion von Elektrofahrzeugen sowie wichtiger Komponenten wie E-Motoren und Batterien herangezogen.