Wie Unternehmen Deutschlands Wachstum trotz des demografischen Wandels auf bis zu 2,6 Prozent pro Jahr steigern können

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Jedes Jahr gehen rund eine Million Menschen in den Ruhestand, deutlich mehr, als neu ins Berufsleben nachrücken. In diesem Jahr wirkt sich die Demografie erstmals negativ auf das Arbeitskräfteangebot aus, wobei sich Bedarf und verfügbare Kräfte zunehmend auf unterschiedliche Branchen und Tätigkeiten verteilen. Bliebe alles beim Alten, könnte allein dieser Rückgang die Wirtschaftsleistung bis 2030 um durchschnittlich 0,7 Prozent pro Jahr schrumpfen lassen. Dass es nicht so kommen muss, zeigt die neue Analyse „Die Kraft der Köpfe“ von McKinsey & Company. Sie beziffert das zusätzliche Wachstumspotenzial auf rund 770 Mrd. Euro bis 2030 – genug, um die demografische Lücke nicht nur zu schließen, sondern in ein Wachstum von bis zu 2,6 Prozent pro Jahr umzukehren, doppelt so viel wie im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2018. Zwei Hebel sind entscheidend: eine höhere Arbeitsproduktivität, die rund 420 Mrd. Euro beisteuert, und ein größerer Arbeitseinsatz mit weiteren rund 350 Mrd. Euro.

„Die größte Chance liegt in der Technologie: Unternehmen in Deutschland und Europa können mit künstlicher Intelligenz einen erheblichen Produktivitätsschub auslösen. Wer heute in KI und in die Qualifizierung seiner Belegschaft investiert, kann die Folgen des demografischen Wandels ausgleichen und zusätzliches Wachstum schaffen“, sagt Solveigh Hieronimus, Senior Partner bei McKinsey und Co-Autorin der Analyse.

Insgesamt identifiziert die Analyse sieben Handlungsfelder. Die drei mit der größten Wirkung sind:

Künstliche Intelligenz: rund 265 Mrd. Euro Wachstumspotenzial

Den mit Abstand größten Beitrag zur Arbeitsproduktivität leistet der Einsatz künstlicher Intelligenz. Nach Berechnungen des McKinsey Global Institute könnten bis 2030 rund 59 Prozent der heutigen Arbeitsstunden durch bereits existierende Technologien wie KI-Agenten und Robotik automatisiert werden. Das ist jedoch nicht mit einem pauschalen Jobverlust gleichzusetzen: Rund 86 Prozent der beruflichen Tätigkeiten bleiben relevant, verändern aber ihren Inhalt. Routineaufgaben treten zurück, während kreatives Denken, komplexe Problemlösung und die Zusammenarbeit mit KI-Systemen wichtiger werden. Das verschafft Beschäftigten Zeit für anspruchsvollere Aufgaben und hebt die Produktivität. Voraussetzung ist allerdings, dass Unternehmen flächendeckend in die Qualifizierung ihrer Belegschaft investieren.

Neben der KI können laut Analyse drei weitere Hebel zu höherer Produktivität beitragen: effizientere wirtschaftliche Rahmenbedingungen wie geringere Bürokratie- und Arbeitskosten (75 Mrd. Euro), beweglichere Erwerbsbiografien durch die Vermittlung von Beschäftigten in Wachstumsfelder (70 Mrd. Euro) sowie eine betriebliche Aus- und Fortbildungsoffensive (8 Mrd. Euro).

Mehr Arbeitsstunden: rund 150 Mrd. Euro Wachstumspotenzial

Ein weiterer Hebel liegt laut der McKinsey-Analyse in ungenutztem Stundenpotenzial: Teilzeit und Minijobs sind auf einem historischen Höchststand, gerade viele Frauen sind in geringem Umfang beschäftigt. Würde jede erwerbstätige Person ihre Arbeitszeit um lediglich eine Stunde pro Woche erhöhen, könnte das Arbeitsvolumen pro Kopf wieder das Niveau von vor zehn Jahren erreichen. Entscheidend ist, dass die Rahmenbedingungen stimmen und sich Mehrarbeit lohnt. Eine Reihe von Unternehmen ermöglicht dies bereits – mit verlässlichen Betreuungsangeboten und flexiblen Arbeitsmodellen, die insbesondere Familien eine höhere Erwerbstätigkeit erlauben.

„Der demografische Wandel ist eine reale Wachstumsbremse – der damit verbundene Wohlstandsverlust aber kein Automatismus“, sagt Luca Flora, Partner bei McKinsey und Co-Autor der Analyse. „Neben der Technologie liegt großes Potenzial darin, vorhandene Talente besser einzusetzen und Menschen, die mehr arbeiten möchten, dies auch durch passende Angebote zu ermöglichen. Entscheidend ist das Tempo: Je früher Unternehmen ansetzen, desto größer der Effekt bis 2030.“

Über die Analyse

„Die Kraft der Köpfe“ untersucht, wie sich das schrumpfende Arbeitskräfteangebot in Deutschland über sieben Handlungsfelder in dynamisches Wachstum umwandeln lässt. Die Quantifizierungen stützen sich auf Best Practices aus anderen OECD-Ländern, bisherige Erfolge in Deutschland sowie publizierte Daten von McKinsey und vom McKinsey Global Institute; die jährlichen Beiträge zum Bruttoinlandsprodukt sind über einen Zeitraum von fünf Jahren berechnet und bewusst konservativ angesetzt.