Weltweit verwaltetes Vermögen steigt auf rund 165 Billionen US-Dollar; hochgerechnete Nettomittelzuflüsse deuten auf rund fünf Prozent organisches Wachstum hin - Europäischen ETFs fließen im ersten Halbjahr 2026 rund 255 Milliarden US-Dollar zu; die fünf größten Anbieter vereinen rund 75 Prozent der Zuflüsse in passive ETFs auf sich - Technologieausgaben nordamerikanischer und westeuropäischer Asset Manager steigen 2025 um 13 Prozent auf 41 Milliarden US-Dollar
Die Vermögensverwaltung bleibt eines der wichtigsten Wachstumsfelder der Finanzbranche. Im ersten Halbjahr 2026 erreichte das weltweit verwaltete Vermögen einen Rekordwert von rund 165 Billionen US-Dollar, nach rund 151 Billionen US-Dollar Ende 2025. Auch die Nettomittelzuflüsse entwickeln sich positiv: Auf das Gesamtjahr hochgerechnet würden die Zuflüsse des ersten Halbjahres einem organischen Wachstum von rund fünf Prozent entsprechen –dem höchsten Wert der vergangenen zehn Jahre. Das zeigt die neue McKinsey-Studie „Asset management 2026: Plenty for the few?“.
Besonders dynamisch entwickelte sich Europa: Die Mittelzuflüsse im ersten Halbjahr 2026 erreichten bereits nahezu das Niveau des gesamten Jahres 2025. Europäischen ETFs flossen in den ersten sechs Monaten rund 255 Milliarden US-Dollar zu. In Deutschland tragen insbesondere ETF-Sparpläne und Neobroker dazu bei, dass mehr private Anleger am Kapitalmarkt investieren. „Die Branche wächst kräftig, aber das Wachstum kommt nicht bei allen Anbietern gleichermaßen an“, sagt Niklas Nolzen, Partner bei McKinsey und Autor der Studie. „Entscheidend ist, ob Asset Manager ihren Kunden einen klar unterscheidbaren Mehrwert bieten und zusätzliche Mittelzuflüsse in profitables Wachstum übersetzen können. Größe hilft dabei, ersetzt aber weder eine klare Positionierung noch ein effizientes Geschäftsmodell.“
Marktführer ziehen wachsenden Teil der Zuflüsse an
Besonders deutlich zeigt sich die Konzentration bei passiven börsengehandelten Fonds. In den USA vereinen die fünf größten Anbieter inzwischen 94 Prozent der Nettomittelzuflüsse in passive ETFs auf sich – acht Prozentpunkte mehr als fünf Jahre zuvor. In Europa entfallen rund 75 Prozent dieser Zuflüsse auf die fünf führenden Anbieter. Auch bei geschlossenen Private-Credit-Fonds steigt die Konzentration: Die zehn größten Anbieter ziehen 72 Prozent des neu eingeworbenen Kapitals an, gegenüber 44 Prozent fünf Jahre zuvor.
Die Entwicklung reicht über einzelne Produkte hinaus. Kunden arbeiten zunehmend mit weniger, dafür strategisch wichtigeren Partnern zusammen. Zugleich gewinnen Vertriebsplattformen und Anbieter von Portfoliolösungen an Einfluss auf die Auswahl von Asset Managern. Chancen bestehen laut Studie dennoch nicht nur für die größten Häuser: Auch spezialisierte Anbieter können erfolgreich sein, wenn sie sich klar differenzieren – etwa bei aktiven ETFs oder spezialisierten Anleihestrategien.
KI-Investitionen: Zusätzliche Kosten kommen häufig vor der Entlastung
Der Wachstumsschub führt bislang nur zu begrenzten Margenverbesserungen. Ein wichtiger Faktor sind steigende Technologieausgaben: Bei nordamerikanischen und westeuropäischen Asset Managern legten sie 2025 um 13 Prozent auf 41 Milliarden US-Dollar zu – stärker als die Ausgaben in allen anderen Funktionen. Neben der Modernisierung bestehender Systeme investieren die Anbieter in neue KI-Fähigkeiten.
Die messbaren Produktivitätsgewinne durch KI konzentrieren sich bislang vor allem auf Technologiefunktionen, beispielsweise die Softwareentwicklung. Anwendungen in Investmentmanagement, Vertrieb und Marketing befinden sich überwiegend noch in einer früheren Entwicklungsphase. Für viele Anbieter fallen die Investitionen daher an, bevor spürbare Einsparungen entstehen. Einzelne Vorreiter erzielen bereits wirtschaftlichen Nutzen, indem sie ausgewählte Geschäftsbereiche umfassend neugestalten, statt lediglich zusätzliche KI-Anwendungen in bestehende Prozesse einzufügen.
„Kurz- und mittelfristig bedeutet der Einsatz von KI für viele Asset Manager zunächst zusätzliche Investitionen. Messbare Produktivitätsgewinne sehen wir bislang vor allem in den IT-Funktionen“, sagt Niklas Nolzen. „Um das Potenzial auch im Investmentmanagement und Vertrieb auszuschöpfen, kommt es darauf an, Prozesse durchgängig neu zu gestalten, statt bestehende Abläufe lediglich um einzelne KI-Anwendungen zu ergänzen.“