China raffiniert 90 % der Seltenen Erden, 87 % des Kobalts und 71 % des Lithiums – bei 15 Schlüsselrohstoffen stellen die drei größten Förderländer im Schnitt 69 % des Minenangebots - Bis 2035 drohen Defizite bei Kupfer, Nickel und Seltenen Erden – sie zu schließen, erfordert weltweit rund 4,2 Billionen US-Dollar Investitionen und mehr als 310.000 zusätzliche Fachkräfte - Handlungsoptionen für Unternehmen: Weiterverarbeitung mitdenken, Recycling ausbauen, Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette eingehen
Die weltweite Rohstoffversorgung konzentriert sich zunehmend auf wenige Länder – am stärksten in der Weiterverarbeitung: Bei Seltenen Erden, Kobalt und Lithium stammen 71 bis 90 Prozent der raffinierten Produktion aus China. Zugleich reichen die weltweiten Investitionen in Minen und Raffinerien nicht aus, um die absehbare Nachfrage zu decken. Ansatzpunkte für die deutsche Industrie liegen vor allem in der Weiterverarbeitung, im Recycling und in Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette. Das geht aus der „Global Materials Perspective 2026" der Unternehmensberatung McKinsey & Company hervor.
Konzentration steigt – trotz Diversifizierung
Bei den 15 wichtigsten Rohstoffen stieg der Anteil der drei größten Förderländer von durchschnittlich 66 Prozent im Jahr 2020 auf 69 Prozent im Jahr 2025; in der Weiterverarbeitung legte die Konzentration ebenfalls um 3 Prozentpunkte zu. Neben Seltenen Erden, Kobalt und Lithium dominiert China auch bei Graphit (68 Prozent) und bei Basismetallen wie Aluminium (60 Prozent) und Kupfer (46 Prozent). Von den 13 Rohstoffen, die zugleich stark konzentriert und strategisch besonders wichtig sind, unterliegen inzwischen neun Handelsbarrieren eines der drei größten Lieferländer.
„Trotz aller Diversifizierungsbemühungen ist die Konzentration bei vielen Schlüsselrohstoffen zuletzt nicht kleiner, sondern größer geworden", sagt Christian Hoffmann, Partner im Düsseldorfer Büro von McKinsey. „Wer seine Versorgung absichern will, sollte deshalb nicht nur auf den Bergbau schauen, sondern vor allem auf die Weiterverarbeitung."
Engpässe an unerwarteter Stelle
Wie anfällig Lieferketten sind, zeigt der Konflikt im Nahen Osten: Die Golfstaaten westlich der Straße von Hormus liefern rund 10 Prozent des weltweiten Aluminiums und mehr als ein Viertel des Schwefels. Der Schwefelpreis hat sich binnen eines Jahres mehr als verdreifacht. Bei 1.000 US-Dollar je Tonne macht Schwefel bis zu 40 Prozent der Betriebskosten von Kupferproduzenten aus, bei Nickel fast 50 Prozent. Erste Produzenten haben ihre Förderung bereits gedrosselt oder gestoppt.
Während die Renditen im Bergbau größer werden, gehen sie bei Hütten und Raffinerien zurück – neue Anlagen rechnen sich ohne Förderung oft nicht. Chinesische Unternehmen haben zwischen 2021 und 2025 52 Prozent aller neuen Raffinerien weltweit gebaut. In der zweiten Auswahlrunde unter dem Critical Raw Materials Act hat die EU-Kommission kürzlich acht Projekte in Deutschland benannt – mehr als in jedem anderen Mitgliedstaat. „Diversifizierung entscheidet sich in der Weiterverarbeitung: Erst wenn sich Hütten und Raffinerien wirtschaftlich tragen, entstehen belastbare Alternativen", so Hoffmann. „Resilienz entsteht durch integrierte regionale Wertschöpfungsketten – von der Mine bis zum Abnehmer."
Rund 4,2 Billionen US-Dollar Investitionsbedarf
Bis 2035 erwartet die Studie Angebotsdefizite bei Kupfer (rund 10 Prozent), Nickel (10 bis 20 Prozent) und Seltenen Erden (mehr als 20 Prozent). Die Investitionen in den Bergbau liegen real rund 45 Prozent unter ihrem Höchststand von 2012, die Ausgaben für Exploration rund 65 Prozent. Um die Lücke zu schließen, sind rund 4,2 Billionen US-Dollar an Investitionen in Bergbau und Weiterverarbeitung sowie mehr als 310.000 zusätzliche Fachkräfte nötig.
Recycling ist oft die günstigste und emissionsärmste Rohstoffquelle – und wird deshalb knapp: Immer mehr Länder, darunter auch die EU und die USA, beschränken den Export. Vier der acht neuen deutschen Strategieprojekte betreffen das Recycling, etwa von Kupfer, Lithium und Batterien in Nordrhein-Westfalen sowie von Permanentmagneten in Baden-Württemberg.
„Europa verfügt mit seinen Sekundärrohstoffen über eine eigene Quelle, die bislang teilweise exportiert wird", sagt Marlene Heimer, Associate Partner im Münchner Büro von McKinsey. „Für Unternehmen liegt der größte Hebel darin, auch Schrottströme zu optimieren und ein Downgrading zu vermeiden."
Zugang braucht Partnerschaften
Europas Anteil am Börsenwert der Bergbaubranche ist von 35 Prozent im Jahr 2000 auf heute 11 Prozent gefallen. Neue Projekte in Afrika und Asien entstehen häufig in Partnerschaft, oft mit staatlichen Investoren. „Zugang zu Rohstoffen entsteht nicht allein durch Einkauf, sondern durch Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette – mit Förderländern, Produzenten und Abnehmern", so Heimer. „Wer sich frühzeitig an Projekten beteiligt, sichert sich nicht nur Mengen, sondern auch Einfluss darauf, wo und wie weiterverarbeitet wird."
Über die Studie
Die Global Materials Perspective von McKinsey erscheint jährlich und analysiert Lage und Perspektiven der Rohstoff-, Metall- und Bergbauindustrie. Die Angebotsprognosen basieren auf den Datenbanken und Szenarien von McKinsey MineSpans.