Unternehmen Bundesliga

Die ökonomische Bedeutung des Profifußballs in Deutschland

„Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag“ wusste 1983 schon der bekannte Fußballtrainer Ernst Happel. Seit der Premierensaison der Bundesliga1963/64 mussten Fußballbegeisterte in Deutschland nur in den regulären Sommer- und Winterpausen auf den deutschen Volkssport verzichten. Für 1.925 Spieltage in Folge rollte der Ball bis auf vereinzelte Spielverschiebungen planmäßig Woche für Woche in Deutschlands Stadien der 1. und 2. Liga. Erst der Ausbruch der COVID-19-Pandemie in Deutschland setzte dieser beeindruckenden Serie am 13. März 2020 ein Ende.

Seither hat COVID-19 deutliche Spuren im deutschen Profifußball hinterlassen. Laut einer internen Umfrage der DFL Deutsche Fußball Liga GmbH (kurz DFL), über die zuerst im April 2020 berichtet wurde, wären 13 der 36 Vereine in den beiden höchsten deutschen Spielklassen im Falle eines Saisonabbruchs insolvenzgefährdet gewesen.

Durch die Weiterführung des Spielbetriebs am 16. Mai 2020 konnten drastische finanzielle Konsequenzen gemildert werden, so dass Vereine der Bundesliga und der 2. Bundesliga –etwa im Gegensatz zu Unternehmen aus anderen Industrien – nur in einzelnen Fällen auf Staatshilfen und -kredite zurückgreifen mussten. Dennoch haben die finanziellen Schwierigkeiten, in die zahlreiche Vereine durch COVID-19 und trotz jüngster Umsatzrekorde geraten sind, Fragen zur wirtschaftlichen Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells Profifußball aufgeworfen und eine Debatte um nachhaltige Mittelverwendung angestoßen. Denn dass das durch die Verpfändung von Medienerlösen einiger Vereine entstandene finanzielle Risiko keine schwerwiegenderen Konsequenzen hatte, ist vor allem dem erfolgreichen Einsatz der DFL gegenüber Medienpartnern zu verdanken – sowie der Tatsache, dass seit dem 15. Mai 2020 zumindest wieder Spiele ohne Zuschauer stattfinden konnten. Unter anderem aus diesem Grund kündigte die DFL im Mai 2020 die Einrichtung einer „Taskforce Zukunft Profifußball“ an.

Vor diesem dynamischen Hintergrund legt McKinsey aktuell mit „Unternehmen Bundesliga“ die dritte Studie zur ökonomischen Bedeutung des professionellen Fußballs in Deutschland vor – diesmal mit Fokus auf der Entwicklung seit 2015. Wie schon 2010 und 2015 hat McKinsey die Studie unabhängig durchgeführt, während die DFL erneut zentrale Datenbestände und Quellenmaterial zur Verfügung stellte und McKinsey als Diskussionspartner zur Seite stand.

Die vorliegende Studie untersucht dieselben volkswirtschaftlichen Kenngrößen wie schon die Studien von 2010 und 2015 – Wertschöpfung, Beschäftigung, Nettoeinnahmen Staat – und lässt direkte Vergleiche mit früheren Resultaten zu. Dank der unveränderten Methodik und weitgehend gleicher Betrachtungsumfänge erlaubt die Analyse tragfähige Aussagen zur Wachstums- und Stabilitätsentwicklung des Systems Profifußball in Deutschland – inklusive einer vergleichenden Betrachtung dieser Wachstumsdynamik über zwei längere Zeithorizonte und eines Rückblicks auf die vergangene Dekade. So lässt sich unter anderem aufzeigen, inwiefern die 2015 (erstmals) identifizierten Dynamiken sich in einem volatilen Umfeld fortgesetzt bzw. wo sich Verschiebungseffekte ergeben haben.

Da die Analysen entsprechend unseren fünfjährigen Betrachtungsintervallen auf Basis der Saison 2018/193 durchgeführt und validiert wurden, sind die Folgen von COVID-19 für den deutschen Profifußball in den Zahlen, Vergleichen und Prognosen dieser – bereits vor Ausbruch der Pandemie begonnenen – Studie nicht berücksichtigt und werden nur vereinzelt qualitativ beleuchtet.