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Energiewende-Index

Der Energiewende-Index von McKinsey bietet alle sechs Monate einen Überblick über den Status der Energiewende in Deutschland. Feedback und Rückmeldung dazu sind ausdrücklich erwünscht und werden bei der Aktualisierung des Index berücksichtigt, sofern es um öffentlich zugängliche Fakten geht.

Überblick

Der Energiewende-Index betrachtet seit 2012 alle sechs Monate den Status der Energiewende in Deutschland entlang der drei Dimensionen des energiewirtschaftlichen Dreiecks: Klima- und Umweltschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit. Innerhalb dieser Dimensionen werden insgesamt 14 Indikatoren analysiert und aktuell daraufhin bewertet, inwieweit sie ihre für 2020 geplanten Zielwerte im geplanten Zeitverlauf der Energiewende erreicht haben. 

Der aktuelle Index (Erscheinungstermin September 2019) liefert diesmal einen Gesamtüberblick über die Entwicklung aller Indikatoren seit Beginn der Untersuchung. Das Fazit: Deutschland verfehlt den Großteil seiner selbstgesteckten Ziele für die Energiewende bis 2020. Gleichzeitig ist mittelfristig nach dem beschlossenen Atom- und Kohleausstieg die Versorgungssicherheit gefährdet, wenn die abgeschalteten Kapazitäten nicht rechtzeitig flexibel ersetzt werden und der Ausbau der Transportnetze schneller vorankommt.

Mit 866 Mio. Tonnen lagen die CO2-Emissionen (gemessen in Mio. Tonnen CO2e -Äquivalent) 2018 trotz einer Reduktion um 4,5% gegenüber dem Vorjahr immer noch 116 Mio. Tonnen über dem anvisierten Ziel von 750 Mio. Tonnen CO2e. Bisher hat fast ausschließlich der Stromsektor - im Gegensatz zum Verkehrs- und Heizsektor - zu den CO2e-Einsparungen beigetragen: im ersten Halbjahr 2019 minus 15% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Der beschlossene Kohleausstieg sieht die Abschaltung von 29 Gigawatt (GW) Kohlekapazität bis 2030 und weiteren 17 GW bis 2038 vor. In den nächsten zehn Jahren gehen somit im Zuge des Atom- und Kohleausstiegs rund 43% der gesamten gesicherten Leistung des Jahres 2018 vom Netz. Ohne ausgleichende Maßnahmen ist die Versorgungssicherheit in Deutschland in Gefahr. Bis 2030 werden Modellrechnungen zufolge zusätzliche Kapazitäten von 17 GW benötigt, um die Stilllegungen zu kompensieren, um Schwankungen bei den Erneuerbaren auszugleichen und Spitzenlasten abzufedern. Sonst können schon ab Mitte des kommenden Jahrzehnts erste Engpässe auftreten, die sich bis 2030 verschärfen könnten. 

Von den 14 Indikatoren und Zielen, die der Energiewende-Index regelmäßig erfasst, haben sich seit 2012 nur sechs insgesamt positiv bzw. stabil entwickelt: Der Anteil des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien hat heute schon mit 37,8% das für 2020 anvisierte 35%-Ziel erreicht. Die Zahl der Arbeitsplätze in erneuerbaren Energien ist nur leicht rückläufig und liegt recht stabil bei rund 338.000. Die Zahl der Arbeitsplätze in stromintensiven Industrien ist in den vergangenen sieben Jahren sogar um rund 130.000 auf 1,72 Mio. gestiegen. Auch die Industriestrompreise gingen seit 2014 zurück und lagen zuletzt nur noch 6,2% über dem europäischen Durchschnitt nach anfangs 14,2%. Im Zielkorridor sind zudem noch die Indikatoren „Ausfall Stromversorgung“ mit zuletzt 15,1 Minuten sowie die „Gesicherte Reservemarge“, die mit 4,7% die anvisierten 1,3% weit übertrifft. 

Ansprechpartner

McKinsey Deutschland