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Energiewende-Index

Der Energiewende-Index von McKinsey bietet alle sechs Monate einen Überblick über den Status der Energiewende in Deutschland. Feedback und Rückmeldung dazu sind ausdrücklich erwünscht und werden bei der Aktualisierung des Index berücksichtigt, sofern es um öffentlich zugängliche Fakten geht.

Überblick

Bereits seit 2012 untersucht McKinsey mit dem Energiewende-Index halbjährlich den Status der Energiewende in Deutschland entlang der drei Dimensionen des energiewirtschaftlichen Dreiecks: Klima- und Umweltschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit. Innerhalb dieser Dimensionen werden insgesamt 15 Indikatoren analysiert und immer aktuell daraufhin bewertet, inwieweit sie ihre Zielwerte im geplanten Zeitverlauf der Energiewende erreicht haben. Im März 2020 wurden fünf der insgesamt 15 untersuchten Indikatoren ausgetauscht, da die Bundesregierung durch den Kohleausstieg und das Klimapaket neue Ziele für die Energiewende bis 2030 formuliert hat. 

Der aktuelle Index (Erscheinungstermin März 2020) zeigt: Deutschland wird seine Klimaschutzziele bis 2030 nur mit größten Anstrengungen und deutlicher Kurskorrektur erreichen können. Die Corona-Krise wird sich in diesem Jahr durch sinkende CO2-Emissionen und geringeren Stromverbrauch nur kurzfristig positiv auf die Klimabilanz auswirken. Zentrale Herausforderungen bleiben weiterhin die zügige und konsequente Elektrifizierung des Verkehrs-, Wärme- und Industriesektors ebenso wie der stockende Netzausbau. Darüber hinaus müssen der Ausbau der erneuerbaren Energien wieder forciert, die Kostenspirale gebremst und drohende Probleme in der Versorgungssicherheit abgewendet werden. 

Auf den ersten Blick signalisiert der aktualisierte Energiewende-Index ein mögliches Erreichen der energiepolitischen Ziele: Von den 15 untersuchten Zielen sind neun als realistisch erreichbar und fünf als unrealistisch einzustufen. Der Indikator CO2e-Ausstoß hat sich erstmals in die Kategorie „leichter Anpassungsbedarf“ verbessert. Allerdings stehen vier der aktuell noch neun als realistisch eingestuften Indikatoren auf der Kippe zur Verschlechterung. 

Für fünf der 15 Indikatoren ist die Zielerreichung bis 2030 McKinsey zufolge realistisch: Dazu zählt dank eines wind- und sonnenreichen Jahres 2019 der Anteil der erneuerbaren Energien (EE) am Bruttostromverbrauch, ebenso wie der Indikator, der die Ausfallhäufigkeit in der Stromversorgung in Deutschland betrachtet. Auch der von McKinsey neu in den Index aufgenommene Indikator "Verfügbare Kapazität für Import aus Nachbarländern" wird als realistisch eingestuft. Realistisch ist ein Erreichen der Ziele auch bei der Entwicklung der Industriestrompreise.sowie beim neu eingeführten Indikator "Gesamtenergiekosten Haushalte". Der Indikator misst den Anteil der Energiekosten am Gesamtwarenkorb der Verbraucher.

Vier Indikatoren auf der Kippe

Vier Indikatoren werden zwar aktuell als realistisch eingestuft, allerdings droht bei ihnen eine Verschlechterung. Durch deutlich verschärfte Ziele sowie strukturelle Veränderungen im deutschen Strommarkt ist bereits heute absehbar, dass diese Indikatoren aller Voraussicht nach kurz- bis mittelfristig vom Zielpfad abkommen werden. Dazu zählen die Indikatoren "Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch", der Indikator "Sektorkopplung: Wärme" sowie  die Indikatoren "Arbeitsplätze in erneuerbaren Energien" und "Gesicherte Reservemarge" .

Zielerreichung für fünf Indikatoren unrealistisch

Die Ziele beim Ausbau der Transportnetze zu erreichen, ist weiterhin unrealistisch. Wegen der großen Verzögerungen hat die Bundesnetzagentur die Fertigstellungstermine für viele Projekte inzwischen offiziell nach hinten geschoben. Ging die Planung von 2016 noch von 7.274 km bis Ende 2024 aus, wurde das Ausbauziel inzwischen  auf 4.578 km heruntergeschraubt. Mit diesem Schritt bestätigt sich, was der Energiewende-Index seit Jahren anzeigt: Die Ausbauziele bei den Transportnetzen sind im aktuellen Tempo nicht realistisch zu erreichen. Erst ab 2025 nähern sich die Fertigstellungstermine wieder an die ursprünglichen Ziele an. Allerdings erfordert dies erhebliche Anstrengungen: Allein 2025 müssten dann mehr als 2.200 km auf einmal gebaut werden – eine Mammutaufgabe. 
Ebenfalls unrealistisch ist die Zielerreichung für die Indikatoren Primärenergieverbrauch, "Sektorkopplung: Verkehr", der die Anzahl zugelassener Elektrofahrzeuge misst sowie für die Indikatoren "Kosten für Netzeingriffe" und  Haushaltsstrompreis. 

Der CO2e-Ausstoß verbessert sich durch die Reduktionserfolge im vergangenen Jahr von „unrealistisch“ auf „leichter Anpassungsbedarf“. Laut Schätzungen des Umweltbundesamtes betrugen die CO2e-Emissionen in Deutschland 2019 rund 805 Megatonnen (Mt), was eine spürbare Verringerung um 54 Mt innerhalb von nur einem Jahr bedeutet. Dazu beigetragen hat vor allem die erneuerbare Erzeugung bei gleichzeitiger Reduktion der Kohleverstromung. Im laufenden Jahr wird die CO2-Bilanz voraussichtlich kurzfristig durch gestrichene Flüge, weniger Verkehr etc entlastet. Dabei handelt es sich aber nicht um eine strukturelle Verbesserung im System. Nach Ende der Krise ist mit einem erneuten Anstieg der Emissionen zu rechnen.

 

Ansprechpartner

Kirsten Best-Werbunat

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