Nach Corona: Strategien für die Leistungssportförderung

Die Sportwelt erfährt durch die Corona-Pandemie eine der schwersten Zäsuren ihrer Geschichte. Existenzen stehen auf dem Spiel und ganze Wirtschaftszweige brechen weg. 

Im vergangenen Jahr sind die Hälfte aller rund 50.000 geplanten Sporteevents abgesagt worden. Nationale Rettungspakete können die schlimmsten Auswirkungen abwenden, jedoch nur temporär und auch nur zum Teil. Profisportler in Deutschland verdienten vor drei Jahren zuletzt durchschnittlich rund 1.500 Euro monatlich. Durch den Wegfall von Sponsorengeldern dürften viele von ihnen zuletzt mit ihren Verdiensten unter die Armutsgrenze von 1.000 Euro gefallen sein. 

Die Krise zeigt: Wenn Deutschland im internationalen Vergleich auch nach der Pandemie konkurrenzfähig bleiben und seine Sportler effektiv fördern will, müssen jetzt die nötigen Strukturen dafür geschaffen werden. Eine aktuelle Analyse von McKinsey mit dem Titel „Im Sprint aus der Krise – Strategien für die Leistungssportförderung nach Corona“ bietet einen Überblick über den Stand der Sportförderung in Deutschland im internationalen Vergleich und präsentiert Ansätze für eine Neuausrichtung der öffentlichen Förderung. 

Zentrale Ergebnisse:

  • Um den Leistungssport auch nach der COVID-19-Krise effektiv staatlich zu unterstützen, müssen Staaten festlegen, wie die finanziellen Fördermittel eingesetzt werden sollen. Dabei müssen Erfolge klar definiert und anhand von Indikatoren messbar gemacht werden.
  • Grundsätzlich kann staatliche Leistungssportförderung auf zwei Arten betrieben werden: entweder mit einer divers ausgerichteten Förderstrategie, bei der eine Vielzahl olympischer Disziplinen unterstützt werden, oder mit einer fokussierten Förderstrategie, bei der nur medaillenträchtige Disziplinen staatliche Mittel erhalten. Während z.B. Frankreich die erst genannte Strategie verfolgt und eine Vielzahl an Sportarten relativ gleichmäßig fördert, fokussieren sich Länder wie Australien oder Großbritannien auf die Förderung einzelner Sportarten. Deutschland hat sich aktuell für einen Mittelweg bei der Förderung entschieden: Zwar wurde nicht wie in Großbritannien die Förderung für die Olympischen Sommerspiele in Tokio von 26 auf nur 16 Sportarten reduziert - Verbände können jedoch auf eine Basisförderung zurückfallen, die lediglich die Existenz des Verbandes sichert. Ob dieses Verfahren zu signifikant mehr Medaillen führt, wird sich laut Bundesinnenministerium erst nach den Sommerspielen 2028 zeigen.
  • Bereits 2017 lebten Sportler mit einem Durchschnittseinkommen von rund 1500 Euro knapp über der Armutsgrenze. Umso dramatischer ist für viele Sportler der Ausfall der rund 25.000 Sportevents 2020. Gleichzeitig wurden 40% die Sponsorengelder gekürzt. Durch Corona-Hilfen stiegen die Bundesausgaben für Sport im vergangenen Jahr um 106% (zum Vergleich: die Gesamtausgaben - trotz Corona-Hilfen - stiegen nur um 43%). Eine Finanzierung allein über Steuermittel kann nicht die Lösung sein. Es bietet sich an, die staatliche Förderung breiter aufzustellen und dabei auch nicht staatliche Bezugsquellen zu nutzen: zum Beispiel durch die Einnahmen aus Lotterien.

Autorinnen und Autoren:

  • Anna Wiesinger, Partnerin im Düsseldorfer Büro von McKinsey & Company
  • Frank Sartorius, Associate Partner im Frankfurter Büro von McKinsey & Company
  • Viola Hartmann, Engagement Managerin im Frankfurter Büro von McKinsey & Company

Acknowledgements:

Die Autoren danken Manuel Schmid und Kristin Alke für ihren Beitrag und ihre Unterstützung.